Die diesjährigen Perseiden Schauer waren in vieler Munde. So viele Sternschnuppen wie zuletzt vor 12 Jahren sollten insbesondere in der Nacht zum Freitag, den 12. August sichtbar sein – es hieß bis zu 170 Stück pro Stunde! Leider war der Himmel in eben dieser Nacht ganz besonders bewölkt, von unserem Standpunkt aus war nichts zu sehen. Das Thema hatte ich damit eigentlich schon abgehakt.
Den folgenden Tag klarte es dann zur Nacht hin deutlich auf und ich ließ mich überzeugen, doch noch einen Versuch zu starten. Zum Glück! Wir wählten einen möglichst dunklen Ort außerhalb der Stadt und staunten auch in dieser Nacht noch über viele viele Sternschnuppen – vielleicht nicht 170 pro Stunde, aber mehr als genug für eindrucksvolle Erinnerungen. Manche davon auch in nie zuvor gesehener Intensität. Traumhaft!
Zwar sind unterm Strich kaum Sternschnuppen auf den Belichtungen gelandet (die meisten sichtbaren Striche sind Satelliten!), ein paar eindrucksvolle Motive gab es aber dennoch. Nach den Fotos habe ich mal etwas zu den zugrundeliegenden fotografischen Überlegungen geschrieben – vielleicht hilft es ja dem einen oder anderem für den Einstieg?

 

So entstanden die Fotos – ein kleines Tutorial

 

Bester Standpunkt

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen ist der klare Blick in den Sternenhimmel. Abgesehen davon, dass das Firmament natürlich wolkenlos sein sollte, spielt das umgebende Streulicht eine große Rolle. Städte leuchten noch weit in den Sternenhimmel hinein. Also haben wir uns auf einer Karte, die die Lichtverschmutzung gut zeigt, ein dunkles Fleckchen in erreichbarer Nähe gesucht. Wir haben dazu z.B. diese Karten verwendet:

Von links nach rechts:
http://blue-marble.de/nightlights/2012
http://www.avex-asso.org/dossiers/pl/allemagne/zoom.html
http://darksitefinder.com/map/

Auch das Streulicht vom angestrahlten Mond möchte man vermeiden. Praktisch ist daher die Neumondphase – oder man wartet wie wir, bis der Mond untergegangen ist, damit sich ein noch tieferer Sternenhimmel bietet.

Objektiv

Um möglichst viel Licht auf den Sensor zu lassen, habe ich mich für mein Weitwinkelobjektiv Sigma 24mm f/1.4 ART entschieden. Ich habe bewusst bei f/1.4 belichtet, da ich das Maximum an Licht einfangen wollte. Dafür bin ich in Sachen Bildqualität ein paar Kompromisse eingegangen. Das Sigma 24mm f/1.4 ART hat bei Offenblende wie viele Objektive mehr oder weniger mit folgenden Abbildungsschwächen zu kämpfen:

Koma
Helle Lichtpunkte im Randbereich bekommen einen Schweif.

Randschärfe
Auch bei f/1.4 noch nicht optimal, aber das Sigma hebt sich schon sehr positiv von der Masse ab.

Vignettierung
Sichtbarer Helligkeitsabfall zum Rand hin, aber für mich auch verschmerzbar.

Fokussierung

Die Fokussierung war eine echte Herausforderung. Der Autofokus hat schon mal gar nichts gebracht. Also das ganze mit manueller Fokussierung. Okay, leicht wäre es, wenn man anhand der Entfernungsskala am Objektiv einfach zum Anschlag auf „unendlich“ drehen könnte. Das funktioniert so aber leider nicht. Der Fokusregler hat extra einen gewissen Toleranzbereich, so dass der Anschlag bei „unendlich“ schon über „unendlich“ hinaus fokussiert und wieder unscharf wird. Es gilt den schärfsten Punkt kurz davor zu finden. Durch den optischen Sucher konnte ich die feinen Sterne nicht klar genug erkennen. Die LiveView-Funktion löst trotz Fokuslupe nicht fein genug auf (auch wenn man recht nah ran kommt). Um wirklich sicher zu gehen habe ich eine Reihe von Testaufnahmen gemacht: ab dem Fokusanschlag in 2mm-Schritten am Fokusrad zurück gedreht, eine Aufnahme gemacht, auf 100% Zoom gecheckt, weiter gedreht, Aufnahme, 100%-Check – und geschaut, wann das Sternenbild am schärfsten war.
Das kann bei euren Kameras natürlich abweichen. Womöglich ist bei euch das Live-Bild so detailreich, dass eine Beurteilung (am einfachsten mit dem hellsten Stern am Himmel) auch so schon möglich ist.

Belichtung

ISO
Auf der einen Seite möchte man natürlich das Rauschen möglichst gering halten, was für einen kleinen ISO-Wert spricht. Auf der anderen Seite haben wir nicht viel Licht und wollen möglichst viel Bildinformationen aus dem Sensor rausholen. Was ein guter ISO-Wert ist, hängt auch von der Kamera ab. Bei den meisten Kameras sollte die ISO-Einstellung schon bei der Belichtung gut passen, bei anderen kann man später bedenkenlos z.B. an einem ISO 200 Bild aufhellen als wenn es ein ISO 800 hätte werden sollen. Auch das maximal akzeptable Rauschen fällt nach Kameratechnik und Geschmack unterschiedlich aus. Ich hab mich bei meiner 5D Mark III für ISO 1600 entschieden.

Blende
Dazu hatte ich mich bereits beim Objektiv ausgelassen 🙂

Belichtungszeit
Grundsätzlich hilft es möglichst lange zu belichten. Ab einer gewissen Zeit wird allerdings die Rotation des Sternenhimmels auf dem Foto sichtbar. Möchte man dies vermeiden, nimmt man sich eine Formel zur Hilfe (die sich an der Kleinbild-Brennweite orientiert):
500 / Brennweite = max Sek. Das entspricht bei mir also 500 / 24 = ca. 20 sek.
Tatsächlich hab ich aber nur 15sek belichtet, weil meiner Meinung nach darüber hinaus schon sichtbare Bewegungsunschärfe entstand. Auch hier gilt also: ein wenig ausprobieren.

Bearbeitung

Der erste Wow-Effekt stellte sich schon beim Betrachten des Sternenhimmels am Display ein. Allerdings fehlt es der Ausgangsaufnahme ein wenig an Farbe und Intensität. Hier am Beispiel von Lightroom ein paar grobe Bearbeitungsschritte.

Schritt 1
Zeigt die Aufnahme unbearbeitet mit neutraler Kontrastkurve.

Schritt 2
Ein paar Basics: leichte Kontrastanhebung (mittlere Kontrastkurve, Lichter -40, Tiefen +40), etwas Farbdynamikverstärkung (+17), aber vor allen Dingen eine Profilkorrektur (mitgeliefertes Lightroom-Profil für das Sigma-Objektiv), die insbesondere die Randabschattung reduziert. Ach ja, und nach persönlichem Geschmack ein Kompromiss aus Schärfung und Rauschreduzierung.

Schritt 3
Über einen Verlaufsfilter oberhalb des Horizonts an folgenden Reglern gedreht: Dunst entfernen +56, Klarheit +25, Kontrast +67

Schritt 4
Noch ein Verlaufsfilter, der allerdings noch etwas höher ansetzt: Belichtungskorrektur +1, Kontrast +45 (trotz Belichtungsanhebung soll die Tiefe erhalten bleiben)

Schritt 5
Die Milchstraße ist mir noch nicht kontrastreich genug. Deswegen nochmal eine gezielte Korrektur mit dem Pinsel, in der Bildmitte über die gesamte Milchstraße: Belichtung +0,2, Tiefen +40, Dunst entfernen +27… und dann nochmal im Zentrum der Milchstraße: Belichtung +0,2, Tiefen +97

Schritt 6
Ich wollte den Vordergrund noch mit mehr Zeichnung versehen, die dem Bild vor allem mehr räumliche Tiefe gibt, wenn man es sich in dunkler Umgebung intensiver anschaut. Mit dem Pinsel habe ich im Wesentlichen den Vordergrund bläulich gefärbt und über Kontrast und Klarheit die Konturen etwas herausgearbeitet. Leider bot das RAW hier nicht mehr viel Bildinformationen. Erschwerend kam hinzu, dass auch die Rauschunterdrückung hier noch mal etwas härter ran musste. Aber für eine Idee reicht es hoffe ich.

Die nächsten Schritte

Ich habe euch hier meinen ersten ambitionierten Versuch der Sternenfotografie beschrieben. Ich wollte ganz bewusst am Anfang nicht zu viel auf einmal versuchen, weiß aber, dass man die Ergebnisse mit folgenden Themen noch perfektionieren kann:

Das perfekte Foto planen

Es gibt natürlich besonders günstige Vorraussetzungen für eindrucksvolle Milchstraßenaufnahmen, wie z.B. die optimale Höhe des Milchstraßenzentrums über dem Horizont. Eine große Hilfe ist dabei die App Photopills, die ich auch für andere Fotoplanungen nutze.
Der Hersteller hat für die Milchstraßenfotografie auch ein sehr anschauliches Tutorial auf seiner Seite: http://www.photopills.com/articles/how-plan-milky-way-using-2d-map-centric-planner

Stacking

Indem man viele Einzelaufnahmen des gleichen Motivs zusammenrechnet, wird das zufällige Rauschen des Sensors reduziert während Bilddetails erhalten bleiben.
Mehr dazu: http://deepskystacker.free.fr/german/index.html

Astro-Tracking

Für die Astrofotografie ist ab einem gewissen Punkt eine Nachführung Pflicht. Mit dieser Hardware folgt eure Kamera der Bewegung der Sterne, womit wir ganz andere Möglichkeiten der Belichtungsdauer haben.
Ein passender Bookmark dazu: http://gwegner.de/review/sterne-in-langzeitaufnahme-die-vixen-polarie-der-portable-astro-tracker-fuer-die-reise/

Composing mehrerer Aufnahmen

Um die Landschaft im Vordergrund detaillierter abzubilden, kann man zusätzlich eine separate Aufnahme erstellen, die z.B. zur etwas besser beleuchteten blauen Stunde entsteht. Für einen interessanteren Horizont belichtet man evtl. noch mal bei Sonnenuntergang und die Sterne nimmt man schließlich nach Sonnenuntergang auf.

Euch hat das Tutorial gefallen oder ihr habt Tipps für mich, was ich beim nächsten Mal noch besser machen kann? Ich freue mich über eure Kommentare!