Ich bin schon vor so mancher Häuserzeile stehen geblieben und hab mich über das „Gesamtarrangement“ der Gebäude gefreut. Jedes einzelne hat bestimmt auch seinen Charme, aber wo z.B. die auch hübsche Pastellfarben die Fassade schmücken und über mehrere Häuser hinweg abgestimmt sind, ergibt sich ein schönes Straßengesamtbild. Je nach Lage ist das etwas schwer einzufangen. Ein schräg angesetzter Ultraweitwinkel die Straße hinunter betont vielleicht ein oder zwei Häuser, die weiteren verschwinden in der extremen Perspektive. Mit etwas Abstand alle Häuser seitlich mit dem Tele zusammenholen schafft zwar etwas mehr Gleichgewicht, aber auch immer nur einen schmalen Streifen der Front. Frontal vor dem Haus stehend bekommt man je nach erreichbarem Abstand auch nicht viel drauf. Zumindest nicht mit EINEM Foto! Reiht man nun aber mehrere Frontalaufnahmen seitlich aneinander, kommt man dem Ziel ziemlich nahe.

Während normale 360° Panoramen mit Softwareunterstützung mittlerweile fix von der Hand gehen, ist hier jedoch etwas mehr in Motivwahl und nachträglicher Handarbeit aufgrund des sich seitlich bewegenden Standpunktes vonnöten. Zwar gibt es schon Programme, die Panoramen auch mit wechselndem Standpunkten verarbeiten können und auch Photoshop hilft einem bei Überlappungen mehrerer Bilder, zufriedenstellend war das für mich jedoch nicht. Die Straße sah im besten Fall ziemlich verbogen aus. Gut, was will man auch bei DEN Eingabefotos erwarten 😉

Überlegungen zum Motiv

Da man sich für die Fotos stetig entlang der Häuser bewegt, bekommt man schnell ein Parallaxproblem. Während z.B. ein Baum auf dem ersten Bild noch die Tür eines Hauses verdeckte, steht er im nächsten perspektivisch vorm Fenster. Diese zwei Bilder wird man kaum oder nur sehr schwer zufriedenstellend übereinander legen können. Bei kleineren Objekten hat man die Möglichkeit sich für eine Position zu entscheiden und sie dort zu belassen und beim zweiten Bild durch passende Überlappung auszulöschen.
Im Idealfall hat man also eine Häuserzeile, die folgendes erfüllt:

  • die Häuser stehen auf einer Linie und haben eine gerade Front
  • vor den Häusern gibt es keine Bäume, parkende Autos, nach Möglichkeit keine Straßenlaternen. Je weniger, desto weniger Arbeit

Was mir bei einer zweiten Motivreihe erst in der Bearbeitung auffiel, war die Position der Häuser zueinander. Während man so leicht schräg an einer Häuserzeile entlang guckt, nimmt man hauptsächlich die Fronten wahr und denkt: das passt! Wenn man allerdings erstmal frontal davor steht, bemerkt man erst, wie weit die Häuser voneinander entfernt sind. Meiner Vorstellung nach mindern die dann zu weiten Abstände den gewollten Effekt des Straßenpanoramas mit Fokus auf die Fronten und das zusammenhängende Ensemble zu sehr.
Daraus ergibt sich für mich noch eine Anforderung:

  • die Häuser stehen möglichst dicht beieinander, im Idealfall Mauer an Mauer.

Die Ausführung vor Ort

Die erste Herausforderung war, dass die Straße entlang der Häuserzeile leider ziemlich schmal war, ich also mit recht wenig Abstand zu den Häusern klarkommen musste. Ich habe mir das höchste Gebäude ausgesucht und darauf mein UWW-Objektiv (Sigma 12-24mm) eingestellt. Mit etwas Luft nach unten und oben lag ich dann bei 16mm hochkant. Dies hatte zwar leider zur Folge, dass die Verzerrung zum Rand hin recht groß war – am auffälligsten bei den etwas herausstehenden Dachgiebeln – aber immerhin bekam ich alles drauf.
Am unteren Bildrand habe ich mir eine Kante gesucht, an der ich entlang laufen konnte, so dass ich einen möglichst ähnlichen fortlaufenden Bildwinkel verfolgen konnte. Mit der üblichen Überlappung von Panoramen habe ich mich dann Foto für Foto seitlich an der Häuserfront entlang bewegt. Währenddessen schob sich auch mal die eine oder andere Wolke vor die Sonne. Hier war dann etwas Geduld angesagt, da ich schließlich eine gleichbleibende Belichtungssituation mit Sonne von Aufnahme zu Aufnahme haben wollte. So ganz nebenbei hab ich mich für HDR-Aufnahmen entschieden.

So sah dann das Quellmaterial aus (bereits in Lightroom mit Objektivkorrektur versehen und als HDR gerendert)

Zuerst habe ich natürlich probiert, die Software die Arbeit verrichten zu lasten.
Dies sind die Ergebnisse von Photoshop (links) und AutoPano Giga (rechts):

Schnell wurde mir klar, hier hilft leider nur Handarbeit. Bild für Bild habe ich mich in Photoshop vorangearbeitet. Einzelne Ebenen wurden dabei bei Bedarf noch mit Tonwert- und Farbkorrekturen versehen, um Sprünge zu vermeiden.

Endergebnis

Meine Perspektiventzerrung des ersten Bildes war dabei wohl nicht so ganz korrekt und damit auch fortlaufend, man sieht dass das Straßenpanorama etwas zu breit gezogen ist (ohne die Bemaßung der Häuser zu kennen wird es immerhin ziemlich klar beim frontalen runden Verkehrsschild).

Detailarbeit

Ich habe für symmetrische Objekte wie den Giebel versucht nur ein mittiges Foto zu verwenden:

Für abstehende Objekte wie hier die Lampen habe ich auf Frontalaufnahmen geachtet:

Den Freiraum zwischen den Häusen habe ich i.d.R. mit einer seitlichen Perspektive optisch geschlossen. Der Durchblick in den Gang hätte zu sehr von der Front abgelenkt:

Das Straßenpflaster habe ich versucht an passenden Stellen mit einem relativ harten Übergang Stück für Stück neu anzusetzen:

Das Schneefanggitter der linken Dächer habe ich nachträglich mit einem Texturelement komplett neu gesetzt, hier fielen die Verzerrung und die Übergänge zu sehr auf:

Was in dem Gesamtbild vielleicht als Bearbeitungsfehler erscheinen könnte, war tatsächlich ein Versatz in der Front des mittigen Gebäudes (die Architektur dieses Hauses wird übrigens unter Oldenburgern als „Oldenburger Hundehütte“ bezeichnet):

Hier nochmal ein Ausschnitt, der den Detailreichtum des Straßenpanoramas verdeutlicht:

Feinschliff

Nach rund 20 Stunden Arbeit stand das Endergebnis! Ein 240 Megapixel Straßenpanorama, eine fast 3GB große PSB-Datei.

Bevor dieses Panorama den Weg auf einen Keilrahmen in meiner Wohnung gefunden hat, habe ich noch eine freigestellte Variante erstellt: